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Geschichte und Landschaft Westpreußens Von Hans-Jürgen Schuch
Die Weichsel fließt bei Thorn in einer Höhe von etwa 35 Metern in Richtung Ostsee. Bei Graudenz sind es nur noch knapp 20 Meter. Der dort an der rechten Seite der Weichsel aufsteigende Festungsberg erreicht eine Höhe von 85 Meter. Östlich davon erstreckt sich zwischen der Ossa im Norden und der Drewenz im Süden das Kulmer Land. Es ist eine hügelige Landschaft, etwa 80 bis 110 Meter hoch, mit vielen Seen und von gewaltigen Schluchten, Paro-wen genannt, durchzogen. Nördlich davon, in Pomesanien, wird eine Höhe z. B. bei Gilwe, nahe der Kreisgrenze zwischen Marienwerder und Rosenberg, von 127 Metern gemessen. Das ist keine Gebirgslandschaft, aber ein Land, das bei etwa Normalnull beginnt und deren Höhenunterschied vom Besucher auch so empfunden wird. Noch zur Landschaft Kujawien gehörend, aber an der Grenze zu Pommerellen, liegt die Stadt Bromberg an der Brahe im Thorn-Eberswalder Urstromtal, das an dieser Stelle besonders breit ist. Hier floß zur Eiszeit die Weichsel nach Westen. Friedrich der Große ließ durch einen Kanal die Brahe mit der Nahe verbinden. Das war im Osten der Beginn, die vier preußischen Stromgebiete Weichsel, Oder, Elbe und Rhein miteinander zu verbinden. Mit Zustimmung von Kaiser und Papst begann im frühen 13. Jahrhundert der von Herzog Konrad von Masowien ins benachbarte Kulmer Land gerufene Deutsche Orden die Grundung des Deutschordensstaates Preußen. Dadurch wurde das im späteren Westpreußen gelegene Kulmer Land zur Keimzelle dieses für die damalige Zeit sehr fortschrittlich gegliederten und verwalteten Staates, in dem es neben dem unmittelbaren Herrschaftsgebiet des Deutschen Ordens auch weltliche Territorien der Bischöfe und deren Domkapitel gab. Nach der Ordensherrschaft ab 1454/1466 und bis zur Zugehörigkeit zum Königreich Preußen ab 1772/1793 war das westliche Preußenland ein Ständestaat unter der Oberhoheit der Krone Polen, in dem die großen Städte Thorn, Elbing und besonders Danzig die Stellung von Stadtrepubliken einnahmen. Die Wiedervereinigung der beiden 1466 getrennten altpreußischen Landesteile waren für König Friedrich II. von Preußen der Anlass, die Namen Westpreußen dem westlichen und Ostpreußen dem östlichen Landesteil 1773 zu verleihen. Hauptverwaltungssitz wurde 1772 mit Verwaltung und Gericht - Kammer und Regierung - die Stadt Marienwerder. Der eingeschränkt selbständige Netzedistrikt mit Sitz in Bromberg war Marienwerder unterstellt. Danzig wurde bei der Verwaltungsneuordnung 1815 Provinzialhauptstadt von Westpreußen. Die Provinz war in die beiden Regierungsbezirke Danzig und Marienwerder eingeteilt. Der ehemalige Netzedistrikt wurde dem neuen Großherzogtum Posen - seit 1830 Provinz Posen - zugeteilt. Im Jahre 1910 war die Bevölkerung Westpreußens im Durchschnitt zu 65 Prozent deutsch, zu 28 Prozent polnisch und zu sieben kaschubisch. Diese Zahlen wurden durch das Ergebnis der Wahl zur Nationalversammlung 1919 bestätigt. Danzig erhielt 1920 gegen den erkennbaren Willen der Bevölkerung unter dem Schutz des Völkerbundes mit einem erweiterten Hinterland den Status einer Freien Stadt. Die im Westen gelegenen Kreise Deutsch Krone und Schlochau sowie der Restkreis Flatow wurden 1922 Teil der neuen Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen und ab 1938 des gleichnamigen Regierungsbezirks in der Provinz Pommern. Sechs östlich der Weichsel gelegene Kreise bildeten von 1922-1939 mit dem Sitz in Marienwerder den Regierungsbezirk Westpreußen in der Provinz Ostpreußen. In vier dieser Kreise war zuvor am 11. Juli 1920 eine unter interalliierter Aufsicht stehende Volksabstimmung durchgeführt worden, bei der sich mehr als 92 Prozent der Bevölkerung für ein Verbleiben bei Deutschland ausgesprochen hatten. Der flächenmäßig größte Teil der Provinz mit den historischen Städten Thorn, Kulm, Graudenz, Schweiz, Konitz und Dirschau wurde ohne Befragung der Bevölkerung vom Deutschen Reich abgetrennt und als „Korridor" Teil der neuen Republik Polen. Von 1939 bis 1945 bildeten bis auf die zu Pommern gelangten Provinzteile alle übrigen Stadt- und Landkreise Westpreußens unter Hinzufügung der schon nach 1772 zur Kammer Marienwerder gehörenden Kreise Bromberg-Stadt und -Land sowie Wirsitz den Reichsgau Danzig-Westpreußen mit der Hauptstadt Danzig, der für Verwaltungszwecke in die Regierungsbezirke Bromberg, Danzig und Marienwerder gegliedert wurde. Neben einer intensiven Landwirtschaft mit einer z. B. stark ausgeprägten Zuckerindustrie verfügte das Land über ansehnliche Industrien. Schiffbau, Maschinenbau, Holz- und Tabakverarbeitung wurden weit über die Provinz hinaus bekannt oder erlangten sogar Weltgeltung. Die F. Schichau AG Elbing beschäftigte z. B. 1944 an ihren drei Schiffbauplätzen Elbing, Danzig, dem ostpreußischen Königsberg und in der Maschinenbau- und Lokomotivfabrik Elbing rund 44000 Menschen und hatte im Laufe der Jahrzehnte Schiffe in alle Erdteile geliefert. Aus Westpreussen-Online der Landsmannschaft Westpreußen, Münster |
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